So vermeiden Sie eine Dividendenkürzung

So vermeiden Sie eine Dividendenkürzung

Attraktiv bewertete Dividenden-Aktien gibt es in jeder Marktlage. Man muss sie nur finden. Und sollten Sie dabei die typischen Fehler vermeiden, die leider noch immer allzu häufig passieren.

Fehler Nummer Eins ist auf der Suche nach Aktien mit hoher Dividende ist und bleibt der Kauf einer im Kurs stark gefallenen Aktie, eben weil sie stark gefallen ist. Hier lockt die durch den Kurssturz außergewöhnlich hohe Dividendenrendite auf dem Papier. Wenn Monate später die Dividende gekürzt wird ist der Jammer groß. Dabei kündigen sich Dividendenkürzungen oft schon weit im Voraus an.

Auf den Ursprung der hohen Dividendenrendite achten

Wenn Sie auf eine Aktie mit einer außergewöhnlich hohen Dividendenrendite stoßen, werfen Sie am besten einmal einen Blick auf deren Kursentwicklung. Ist die Dividende aufgrund fallender Kurse in die Höhe geschnellt, ist Vorsicht angebracht. Denn in diesem Fall ist der Kursrückgang meist ein Zeichen für eine schwache Gewinnentwicklung des Unternehmens.

So zog die Dividende bei General Electric im Zuge einer fundamentalen Krise im Jahr 2008 und 2018 zwei Mal an, bevor es in den jeweiligen Folgejahren zu einer Dividendenkürzung und weiteren Kursverlusten kam:

General Electric: kurzfristig hohe Dividenden als Folge einer fundamentalen Krise

General Electric: kurzfristig hohe Dividenden als Folge einer fundamentalen Krise

Denn während bei schlechten Unternehmensnachrichten die Kurse sofort reagieren, bleibt die Dividende – zumindest auf dem Papier – zunächst konstant, was zu einer außerordentlich hohen Dividendenrendite führt und zum Griff ins fallende Messer lockt. Überzeugen Sie sich bei einer hohen Dividende deshalb unbedingt, dass die langfristige Gewinnentwicklung des Unternehmens intakt ist.

Auf sinkende Prognosen achten

Prognosen der Dividende können weisen ebenfalls auf fundamentale Probleme eines Unternehmens hin. Denn oft spricht das Management selbst bei der Präsentation enttäuschender Geschäftszahlen das Unheil einer kommenden Dividendenkürzung aus. Dann fallen nicht nur die Kurse und zieht die Dividendenrendite auf dem Papier an, sondern greifen zudem Analysten die schlechten Nachrichten auf und senken die Prognosen der Dividenden entsprechend ab.

Selbst wenn das Management noch keine Dividendenkürzung verkündet, führen schlechte Geschäftszahlen nicht nur zu fallenden Kursen, sondern bewegen Analysten auch selbständig zu einer Korrektur der Dividenden. So geschehen bei dem britischen Versorger Centrica, der mit einer aktuellen Papier-Dividende von über 13% glänzt:

Dividenden-Turbo für Centrica

Der Dividenden-Turbo für Centrica weist auf eine voraussichtliche Dividendenkürzung noch im Jahr 2019 hin

Das Management präsentierte im Mai enttäuschende Geschäftszahlen, hält aber nach wie vor an der Dividende fest.  Nicht so jedoch die Analysten, die bereits von einer Dividendenkürzung ausgehen (2). Eine ernst zu nehmende Warnung an alle Investoren. Ein anderer aktueller Fall ist die belgische BPost mit einer aktuellen Papierdividende von knapp 16%(!):

Dividenden-Turbo für bpost

Der Dividenden-Turbo geht auch für bpost von einer kommenden Dividendenkürzung aus

Auf eine starke Bilanz achten

Unternehmen mit einer starken Bilanz können eine Dividendenkürzung vermeiden, indem Sie die Dividende teilweise oder ganz aus der Substanz bezahlen. Das ist zwar nur eine Notlösung, doch falls Sie auf laufende Dividenden angewiesen sind, werden Sie den Sicherheitspuffer zu schätzen wissen. Die einzige Alternative, um aus Aktien Einnahmen zu generieren, wäre ein Teilverkauf zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn sinkende Unternehmensgewinne gehen meiste mit fallenden Kursen einher.

Stark ist eine Bilanz dann, wenn die Schuldenquote niedrig und der Anteil an Geld und leicht verkäuflicher Wertpapiere die Dividendenzahlungen eines Jahres deutlich übersteigt. In der Vollanalyse des Aktienfinders sehen Sie die die Position „Cash + Wertpapiere“ sowie den Betrag der ausbezahlten Dividenden:

Die wichtigsten Bilanzpositionen geben Auskunft über die Substanzkraft eines Unternehmens

Die wichtigsten Bilanzpositionen geben Auskunft über die Substanzkraft eines Unternehmens

In der Grafik flossen die letzten 12 Monate Stand 31.03.2019 schüttete das Unternehmen gut 14 Milliarden USD an Dividenden aus. Die Barbestände inklusive leicht verkäuflicher Wertpapiere betrug etwas über 80 Milliarden USD. Die laufende Dividende ist rechnerisch für gut 5 Jahre gedeckt.

Zwar steigt auch die Gesamtverschuldung sowie die Schuldenquote, doch solange die Tilgungskraft (Cash-Flow nach Abzug von Investitionen und Dividenden) so hoch ist, besteht kein Anlass zur Sorge:

Eine hohe Tilgungskraft ist das Ergebnis starker Unternehmensgewinne

Eine hohe Tilgungskraft ist das Ergebnis starker Unternehmensgewinne

Tatsächlich könnte das Unternehmen dank der hohen Tilgungskraft seine Schulden in weniger als sechs Jahren komplett zurückzahlen. Die hohe Tilgungskraft wiederum ist das Ergebnis langfristig steigender Unternehmensgewinne. Und hier schließt sich der Kreis.

P.S.: Es handelt sich hier übrigens um die Bilanz von Apple.

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