Pro & Contra Dividenden

Die einen schwören auf sie, die anderen halten sie für eine Art von Selbstbetrug: die Dividende. Tatsächlich gibt hier jedoch kein schwarz oder weiß, sondern muss man verstehen, was die Dividende eigentlich ist. Nur dann kann man für sich entscheiden, welche Rolle diese bei der persönlichen Anlagestrategie spielen soll.

Argumente pro Dividende

Laufende Einkünfte

Wer Dividendenaktien besitzt, der hat laufende Einkünfte. Und wer die richtigen Dividendenaktien besitzt, dessen Einkünfte steigen von Jahr zu Jahr. Aus diesem Grund sind Dividendenaktien besonders beliebt in Rahmen der langfristigen Altersvorsorge und bei Zeitgenossen, die das Ziel haben, die sogenannte „Finanzielle Freiheit“ noch vor dem Renteneintrittsalter zu erreichen. Allgemein profitiert von diesem Effekt aber jeder, der langfristig Aktien hält.

Sehr komfortabel ist in diesem Zusammenhang der in planbaren und regelmäßigen Abständen eintreffende Dividendenbetrag. Die Überweisung auf das eigene Konto geschieht ohne eigenes Zutun und es fallen bei den meisten Brokern keine Gebühren an.

Die laufenden Einkünfte aus Dividenden sind bei soliden Unternehmen zudem in gewissem Maße planbar. Lassen es die Rahmenbedingungen zu (Dividendenpolitik, Ausschüttungsquote, bilanzielle Stärke des Unternehmens), so kann die Dividende selbst bei einer zwischenzeitlich unbefriedigenden Gewinnentwicklung, z.B. während eines Wirtschaftsabschwungs, konstant gehalten oder sogar weiter gesteigert werden.

Die Existenz von über 100 Dividenden-Aristokraten mit 25 Jahren und teils deutlich längerer Dividendensteigerung Jahr für Jahr unterstreicht die erhöhte Planbarkeit der Dividende.

Procter & Gamble: eines von über 100 Unternehmen mit mind. 25 Jahren Dividendensteigerung

Procter & Gamble: eines von über 100 Unternehmen mit mind. 25 Jahren Dividendensteigerung

Die Sicherheit der Dividende hängt von fundamentalen Daten wie der langfristigen Gewinnentwicklung des Unternehmens, der aktuelle Ausschüttungsquote und der bilanziellen Stärke eines Unternehmens ab. All das können Sie im Vorfeld eines Aktienkaufs leicht prüfen, um die unliebsame Überraschung einer Dividendenkürzung zu vermeiden.

Solide Investition

Wenn Sie Dividendenaktien kaufen, investieren Sie, anstatt zu spekulieren. Und dies aus zweierlei Gründen. Zum einen achten Sie als Dividendeninvestor auf Nachhaltigkeit. Das heißt, ihr Unternehmen soll langfristig in der Lage sein, die Dividende zu erwirtschaften und möglichst Jahr für Jahr zu steigern. Zum andern ist ihr Anlagehorizont langfristig ausgerichtet. Ihnen geht es nicht um den schnellen Gewinn des Spekulanten, sondern um Anlageerfolg über Jahre hinaus.

Der Verzicht auf Spekulation bedeutet Risikominimierung und damit Vermeidung eines der wesentlichen Gründe, weshalb Anleger an der Börse Geld verlieren.

Stressfreie Anlagestrategie

Oder besser: so stressfrei, wie ein Investment in Aktien eben sein kann. Denn der Fokus auf langfristiges Investieren und auf solide Unternehmen führt dazu, dem täglichen Auf und Ab der Börse mit einer gewissen Gelassenheit zu begegnen, die im Laufe der Jahre gemeinsam mir ihren Dividenden wächst.

Zeitersparnis

Wenn es Ihnen an der Börse nicht um das schnelle Geld geht, ist es geradezu erschreckend einfach, mit Aktien – im Sinne des Erwirtschaftens einer positiven Rendite – erfolgreich zu sein. Und auch der zeitliche Einsatz bei der Umsetzung einer Dividendenstrategie fällt vergleichsweise bescheiden aus, haben Sie es als Dividendeninvestor doch hauptsächlich mit bekannten Unternehmen zu tun, die in ihrer Historie bereits bewiesen haben, dass sie in der Lage sind, basierend auf dem erwirtschafteten Gewinn über Jahre hinweg Dividende zu bezahlen. Spezielle Tools, wie der Aktienfinder, können den dennoch benötigten Zeitaufwand bei der Aktiensuche weiter reduzieren.

Gleichzeitig ist das Bedürfnis, in ihr eigenes Depot zu schauen, niedriger ausgeprägt als bei einer spekulativen Anlagevariante, wo kurzfristige Kursschwankungen von Bedeutung sein können.

Argumente contra Dividenden

Einschränkung bei der Aktienauswahl

Wenn Sie beim Aktienkauf eine Dividende als Musskriterium definieren, schließen Sie automatisch nicht ausschüttende Aktien aus. Damit bleiben Sie zum einen von Unternehmen verschont, die sich keine Dividende leisten können, weil sie kaum Gewinn machen, was natürlich gut ist. Allerdings lassen Sie ihre Finger ebenfalls von Unternehmen, die seit Jahren steigende Gewinne einfahren, aber keine oder eine sehr niedrige Dividende ausschütten. Und zwar vermutlich deshalb, weil das Management den Gewinn lieber in die Zukunft investiert, um in den nächsten Jahren noch höhere Gewinne einzufahren. Im Vergleich zu den viel zitierten Dividendenaristokraten sind diese Unternehmen dem normalen Anleger in der Regel weniger bekannt, doch es gibt sie. Im Aktienfinder sind diese dutzendweise vertreten und sehr einfach aufzuspüren.

Auf der einen Seite ist es gut, wenn Sie ausschließlich in solide (Dividenden-)Aktien investieren. Auf der anderen Seite aber gleichzeitig schade, dass die dadurch auf die Gewinnraketen mit den vermutlich größten Kurssteigerungen der nächsten Jahre verzichten. Das ist nicht automatisch ein Fehler, sollte Ihnen aber bewusst sein, wenn Sie sich für eine Anlagestrategie entscheiden.

Kurzfristiges Verlustgeschäft

Das K.O.-Kriterium für Dividenden schlichthin. Zumindest in den Augen einiger, und sogar mathematisch beweisbar. Hier geht es darum, dass bei der Ausschüttung einer Dividende der Marktwert des Unternehmens – und damit auch der Aktienkurs – um die volle Höhe der Dividende sinkt, die Dividende aber leider nicht in voller Höhe beim Aktionär ankommt. Daran schuld ist, wie fast immer, der Staat in seiner Gier.

Zunächst wird, in Deutschland im Rahmen der Körperschaftssteuer, der Unternehmensgewinn versteuert. Schüttet das Unternehmen Dividende aus, zahlt der Aktionär erneut Steuern in Form der Abgeltungssteuer in Höhe von 26,375 %. Der Aktionär bekommt also 100 % – 26,375 % = 73,625 % von der ausgeschütteten Dividende, die aber zu 100 % auf den Kurs drückt. Das Unternehmen selbst musste ja schließlich die vollen 100 % bezahlen und ist entsprechend weniger wert.

Fazit

Nichts ist perfekt – auch die Dividende nicht. Wie Vorteile und Nachteile zu gewichten sind, hängt letztlich von Ihnen ab. Falls Sie risikofreudiger sind, werden Sie eher zu Aktien greifen, die keine oder nur eine niedrige Dividende ausbezahlen. Sollten Sie eher zu den vorsichtigeren Naturen zählen, werden Sie tendenziell eher auf etwas Rendite zu verzichten und dafür einen stetigen Einnahmestrom generieren wollen. Beiden Strategien eignen sich für das langfristige Investment in Aktien. Wie Sie sich entscheiden, liegt an Ihnen.

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