Nintendo

Level Up oder Game Over? Kaufchance nach Kurssturz?

Die japanische Videospiel-Ikone Nintendo ist wohl jedem ein Begriff. Zum Konzern gehören mit der Nintendo Switch und dem Nintendo DS zwei der Top Drei meistverkauften Spielekonsolen aller Zeiten sowie die Franchises Super Mario, Zelda oder Anteile an Pokémon.

Während sich die Marken über viele Jahrzehnte in den Köpfen von Junggebliebenen fest eingebrannt haben, war die Performance für Aktionäre seit jeher stark abhängig vom Erfolg der jeweiligen Konsolengeneration. So führten der Nintendo DS und die Wii zu parabolischen Kursanstiegen in den 2000er Jahren. Doch die gefloppte Wii U Konsole reichte, um Investoren in den 2010er Jahren zurück auf den Boden der Tatsachen zu holen. Die Nintendo Switch läutete dann einen achtjährigen Erfolgslauf ein, von dessen Cash-Berg der Konzern noch heute zehren kann.

Nintendos Börsenerfolg hing bislang stark am Erfolg der Konsolengenerationen
Nintendos Börsenerfolg hing bislang stark am Erfolg der Konsolengenerationen

Dabei versucht sich Nintendo zunehmend mit Kinofilmen, Themenparks und Merchandise breiter aufzustellen. Dennoch bleibt die jeweils aktuelle Konsolengeneration maßgeblich für das Gewinnwachstum. Als wir Nintendo vor drei Jahren für euch analysiert haben, ließ eine Next-Gen Konsole noch auf sich warten. Die Switch 2-Ankündigung und einen Rekord-Verkaufsstart später, hatte sich die Aktie mehr als verdoppelt, nur um sich dann wieder zu halbieren. Wie so oft an der Börse, verkennen Spekulanten fundamentale Entwicklungen und treiben Kurse kurzfristig hoch, die dann wieder korrigieren müssen. Kursentwicklungen können zeitlich von der fundamentalen Geschäftsentwicklung abweichen. In unserem Japan-Special vor einem Jahr haben wir wie folgt vor der hohen Bewertung gewarnt:

Wer jetzt in Nintendo investiert, muss verstehen, dass er sehr spät auf den Zug aufspringt. (…)“, und „(…) dass die Aktie mit einem bereinigten KGV von 49 und einem KUV von 12 vereinfacht gesagt bereits das gesamte Wachstum der nächsten drei Jahre vorwegnimmt.“ (Juni 2025)

Wir verraten dir, wie Nintendos Aktienkurs heute einzuordnen ist und wie viel Renditepotenzial in der Aktie steckt.

Die Nintendo Aktie in meinem Depot

Eines war für mich immer klar: die Nintendo Aktie ist kein absolutes Must-have in jedem Depot, und weit entfernt davon, ein „No-brainer“ zu sein. Die Unsicherheit des Markts bezüglich des Erfolges der nächsten Konsolengeneration drückt sich im erratischen Kursverlauf der letzten ein bis zwei Jahre aus. Ich bin aber seit 2022 investiert, als ich auch meine letzten wesentlichen Käufe getätigt habe. Trotz aller Zyklik ist es für mich seit jeher ein überzeugendes Qualitätsmerkmal, dass die Nintendo-Fanchises über Jahrzehnte immer wieder ein Millionenpublikum begeistern können.

Wie sehr Nintendo seine Fühler in Bereiche abseits der Konsolen ausstreckt, habe ich selbst in Japan erlebt. Dort habe ich mehrere überlaufene Nintendo Flagship-Stores und die Super Nintendo World in den Universal Studios Osaka besucht. Es ist neben Hollywood und Florida einer von drei immersiven Super Mario Themenparks. Ein vierter Themenpark wird in Singapur gebaut.

Eigene Aufnahmen des Nintendo Flagship-Stores in Kyoto.
Eigene Aufnahmen des Nintendo Flagship-Stores in Kyoto.

Eigene Aufnahmen der Super Nintendo World innerhalb der Universal Studios in Osaka.
Eigene Aufnahmen der Super Nintendo World innerhalb der Universal Studios in Osaka.

Bei Nintendo freue ich mich neben den Erlebnissen auch über Buchgewinne und Dividenden, allerdings muss Aktionären der Einfluss von Fremdwährungen bewusst sein. Denn die Buchgewinne könnten noch deutlich höher sein, hätte der japanische Yen gegenüber dem Euro seit 2022 nicht rund ein Viertel seines Wertes verloren. Zugleich wirkt Nintendos hoher Anteil an Auslandsumsätzen hier als „natürlicher Hedge“. 78 Prozent seines Umsatzes erzielt Nintendo außerhalb Japans. Ein schwacher Yen bedeutet so zwar Druck auf den Aktienkurs in Euro, wertet aber zugleich die in Yen berichteten Auslandsumsätze auf.

Während der Total Return in JPY seit 2022 bei 78 Prozent liegt, sind es in EUR nur 28 Prozent.
Während der Total Return in JPY seit 2022 bei 78 Prozent liegt, sind es in EUR nur 28 Prozent.

Was gibt es Neues bei Nintendo?

Nun werfen wir einen Blick auf die neuesten Entwicklungen der letzten Monate. Beginnen wir mit der Fortsetzung des Kinoerfolges in diesem Jahr!

Kinoerfolg nährt das Kerngeschäft

Als im Jahr 2023 der Super Mario Bros. Film in die Kinos kam, war er nicht nur auf Anhieb der erfolgreichste Film zu einem Videospiel aller Zeiten. Mit 1,4 Milliarden US Dollar an Umsatz durch Kinotickets erreichte er außerdem knapp hinter Barbie Platz Zwei des gesamten Kinojahres. Mit diesem Erfolg war eine Fortsetzung nur logisch.

Der Super Mario Galaxy Film kam daher dieses Jahr in die Kinos und konnte ebenfalls knapp die Eine-Milliarde-Dollar-Marke überschreiten. Der Neugier-Faktor hat also etwas nachgelassen. Das Ergebnis der Fortsetzung werte ich dennoch als Erfolg. Ein Film zu The Legend of Zelda soll im kommenden Jahr in den Kinos erscheinen.

Lizenzeinnahmen aus den Super Mario Filmen, die zusammen mit Illumination von Universal produziert wurden, werden im Segment IP related income erfasst. Dort finden sich auch erhaltene Lizenzgebühren von Universal für den Betrieb der Themenparks und Merchandise-Einnahmen wieder. Im Chart unterhalb sehen wir, wie klein der Umsatzanteil dieser Geschäftsbereiche im Vergleich zum Kerngeschäft der Konsolen und der Spiele ist. Nichtsdestotrotz bewirken die Filmreleases auch deutlichen Rückenwind für das Gaming-Segment im Quartal der Veröffentlichung. Diese Abstrahleffekte sind der eigentliche Vorteil der Expansion in Kinos, Parks und Merchandise.

Kinofilme und Parkbesuche machen Lust auf Nintendo-Spiele

Poké-Mania

Ein Blick in den Aktienfinder Gewinnfluss zeigt, dass Nintendo einen wesentlichen Teil seiner Gewinne als nicht-operativen Ertrag erzielt. Das laufende Jahr ist hiervon keine Ausnahme. In den vergangenen Jahren war dies meist Nintendos hohen Cash-Reserven zu verdanken. Diese legte das Unternehmen unter anderem in US-Dollar an und profitierte so in Yen gemessen von hohen Fremdwährungs-Kursgewinnen und Zinseinnahmen aus kurzfristigen US-Staatsanleihen. Der nicht-operative Ertrag war ein wichtiges Auffangnetz gegen Ende des Switch 1 Lebenszyklus.

Doch im letzten Jahr hat ein weiterer Hype Nintendos nicht-operativem Ertrag buchstäblich in die Karten gespielt: und zwar Pokémon. Nintendo ist mit rund einem Drittel direkt an The Pokémon Company beteiligt und verbucht Gewinne daraus nach der „Equity Methode“ als nicht operativen Ertrag. Wegen des Pokémon-Sammelkartenbooms sind diese nicht-operativen Gewinnanteile für Nintendo im Vorjahr um 137 Prozent in die Höhe geschnellt, im ersten Quartal des laufenden Jahres um weitere 43 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Nintendos nicht-operativer Ertrag kommt derzeit zu einem großen Teil aus der Pokémon-Beteiligung und Zinseinnahmen
Nintendos nicht-operativer Ertrag kommt derzeit zu einem großen Teil aus der Pokémon-Beteiligung und Zinseinnahmen

Die zuletzt vermeldeten Verkaufszahlen des Switch 2-Spiels „Pokémon Pokopia“ übertreffen darüber hinaus die Erwartungen. Auf die Meldung hin, dass 5 Millionen Einheiten verkauft wurden, schoss die Nintendo Aktie um sieben Prozent nach oben. Es ist damit das zweitmeistverkaufte Spiel der neuen Konsolengeneration vor dem Blockbuster „Donkey Kong Bananza“ und hinter „Mario Kart World“.

KI lässt grüßen – Die Switch 2 wird teurer

Der aktuelle Hype rund um den Ausbau von KI-Datencenter-Infrastruktur geht auch an Nintendo nicht spurlos vorüber. Hersteller von Speicherchips kommen nicht hinterher, die hohe Nachfrage zu bedienen, was zu drastischen Preissteigerungen geführt hat. Nintendo ist mit seinem Hardwaregeschäft ein leidtragender dieser steigenden Komponentenpreise. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Nintendo mit Mehrkosten von 100 Milliarden Yen. Zum Vergleich lagen die gesamten Materialkosten im Vorjahr bei 1.404 Milliarden Yen.

Zum Schutz der Margen setzt Nintendo nun Preiserhöhungen für die Switch 2 um und gibt so die höheren Kosten an die Konsumenten weiter. In Japan ist die Konsole seit Mai um 20 Prozent teurer, in den USA wird der Preis ab September um elf Prozent von 450 auf 500 US Dollar steigen, in Europa kostet die neue Switch ab September 500 Euro statt zuvor 470 Euro. Dabei hatte Nintendo schon vor den Preisanhebungen Kritik für die ursprünglich vermeintlich hohen Preise der neuen Konsole geerntet.

So läuft das operative Geschäft

Nun blicken wir noch einmal tiefer ins Zahlenwerk und beleuchten die Margen, Wachstumszahlen und Dividenden von Nintendo.

USA mussten Zölle zurückzahlen

Dank der neuen Konsole hat sich Nintendos Umsatz im letzten Geschäftsjahr verdoppelt. Allerdings sind die Bruttomargen deutlich eingebrochen. Das liegt daran, dass Nintendos Gewinne zuvor vor allem aus dem margenstarken Softwaregeschäft kamen, während eine neue Konsolengeneration zunächst erwartungsgemäß mit niedrigeren Hardwaremargen kommt. Die Strategie ist wohl dieselbe wie im vorangegangenen Zyklus, wonach mit wachsender Spielebibliothek auch die Margen wieder allmählich steigen sollen. Doch zuerst sollen möglichst viele Spieler die Konsole im Wohnzimmer stehen haben.

Im ersten Quartal dieses Jahres hat zu einem großen Teil ein Einmaleffekt die Bruttomarge beflügelt. Die US-Regierung musste zuvor unrechtmäßig erhobene IEEPA-Zölle wieder an Nintendo zurückzahlen.

Umsatzverdopplung durch die neue Konsolengeneration – doch Hardware ist margenschwächer
Umsatzverdopplung durch die neue Konsolengeneration – doch Hardware ist margenschwächer

Ein Jahr ohne Wachstum – Deshalb ist das kein Problem

Ursprünglich hatte Nintendo für das bereits abgeschlossene Fiskaljahr 2026 erwartet, dass etwa 15 Millionen Switch 2 und 4,5 Millionen Switch 1 Konsolen verkauft werden. Das Umsatzziel hatte bei insgesamt 1,9 Billionen JPY gelegen. Tatsächlich hat sich die Switch 2 fast 20 Millionen Mal verkauft, die Switch 1 knapp 4 Millionen Mal, und der erzielte Umsatz betrug 2,3 Billionen JPY.

Nintendo hat die eigenen Ziele also überwiegend deutlich übertroffen. Das Management ist bekannt für seinen tendenziell konservativen Ausblick. Daher gehe ich auch davon aus, dass der Ausblick für das Fiskaljahr 2027 leicht zu schlagen sein sollte. 16,5 Millionen Switch 2 und 2 Millionen Switch 1 möchte Nintendo verkaufen und auf insgesamt 2,1 Billionen JPY Umsatz kommen.

Auf den ersten Blick mag der rückläufige Ausblick ernüchternd wirken. Selbst wenn man von einem unveränderten Jahr ausgeht, weil das Management konservativ plant, wirkt das zunächst nicht dynamisch. Doch Nintendos Konsolengenerationen funktionieren nicht wie ein Kinofilm, der seinen Höhepunkt in den ersten Tagen erzielt und danach kontinuierlich abflacht.

Der Switch 1 Zyklus hat sich beispielsweise bis ins fünfte Jahr nach Release stetig beschleunigt. Neue Exklusivtitel werden im Lauf der Zeit immer mehr Spieler auf die neue Plattform holen. Darüber hinaus wird sich das Verhältnis von hochprofitablen Spielreleases zu margenschwachen Hardwareverkäufen im Laufe des Lebenszyklus zugunsten der Spiele verschieben, was die Gesamtprofitabilität nach und nach erhöht. Immer mehr Spiele werden außerdem digital erworben, was zunehmendes Margenpotenzial mit sich bringt.

Der Anteil an digitalen Spielekäufen wächst
Der Anteil an digitalen Spielekäufen wächst

Höhere Ausschüttungen für Aktionäre

Nintendo hat Ende letzten Jahres seine Dividendenpolitik zugunsten einer höheren Ausschüttung angepasst. Der höhere Betrag von entweder 40 Prozent des operativen Gewinns oder 60 Prozent des bilanzierten Gewinns wird als Dividende ausgeschüttet. Zuvor waren die definierten Quoten noch 33 und 50 Prozent. Im Aktienfinder Qualitätscheck unterhalb ist der leichte Anstieg der Ausschüttungsquote ersichtlich. Der Gewinnsprung durch die neue Konsolengeneration ist ebenfalls erkennbar. Auf Sicht wird das Wachstum aber unter anderem durch die steigenden Hardwarekosten gedämpft. Bis 2030 rechne ich aber mit fortschreitendem Lebenszyklus und vermehrtem Software-Mix wieder mit neuen Rekordgewinnen pro Aktie.

Nintendo hat seine Ausschüttungsquoten leicht angehoben
Nintendo hat seine Ausschüttungsquoten leicht angehoben

Historisch gesehen liegt Nintendos heutige Dividendenrendite von 2,5 Prozent in etwa auf Höhe des zehnjährigen Mittels. Bis 2029 könnte die persönliche Dividendenrendite bei einem heutigen Kauf auf 2,8 Prozent steigen. Die Dividende schwankt aber stets mit Nintendos Ertragskraft. Stabile und kontinuierliche Steigerungen ungeachtet der aktuellen fundamentalen Lage haben für Nintendo keine Priorität. Daher ist im Falle von Schwäche auch mit Kürzungen zu rechnen.

Nintendos Dividendenrendite erscheint fair, ist aber kein langfristig stabiler Indikator
Nintendos Dividendenrendite liegt über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, ist aber kein langfristig stabiler Indikator

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  1. Die Nintendo Aktie in meinem Depot
  2. Was gibt es Neues bei Nintendo?
    1. Kinoerfolg nährt das Kerngeschäft
    2. Poké-Mania
    3. KI lässt grüßen – Die Switch 2 wird teurer
  3. So läuft das operative Geschäft
    1. USA mussten Zölle zurückzahlen
    2. Ein Jahr ohne Wachstum – Deshalb ist das kein Problem
    3. Höhere Ausschüttungen für Aktionäre
  4. So blicken Analysten und Management in die Zukunft
  5. Ist die Nintendo Aktie günstig bewertet?
  6. So schneidet Nintendo in der Scorecard ab
  7. Fazit – Wird das Allzeithoch wieder erreicht?

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