Wer sind Sie: Trader, Investor oder Spekulant?

Erfolgreich an der Börse investieren

Wer Aktien kauft, will Geld verdienen. Soweit, so gut. Auch das Prinzip scheint jedem klar: Billig kaufen, teuer verkaufen. Doch wenn es so einfach ist, warum verlieren so viele Privatanleger dann an der Börse Geld? Aus unserer Sicht, weil viele Privatanleger ebenso ahnungslos wie planlos agieren. Sie können nicht unterscheiden, ob eine Aktie ein langfristig erfolgversprechendes Investment oder ein spekulativer Titel ist. Tatsächlich verfolgen viele Privatanleger noch nicht einmal eine klar definierte Börsenstrategie, sondern lassen sich heute von den Launen und Ratschlägen Dritter, sei es der Nachbar, der freundliche Banker oder die Berichterstattung in den Medien, treiben. Deshalb besteht der erste Schritt für erfolgreiche Aktiengeschäfte darin, zunächst tief in sich zu gehen und festzustellen, wie man an der Börse zu Geld kommen will.

Grundsätzlich versuchen drei Arten von Aktienkäufern an der Börse ihr Glück.

Der Trader

Der Trader sucht den schnellen Gewinn. Er hält Aktien kurzfristig und schaut beim Kauf insbesondere auf die Charttechnik, während das Fundamentale von untergeordneter Bedeutung ist. Außer Aktien werden unter anderen auch gerne Wertpapiere (sogenannte Derivate) gehandelt, mit denen noch höhere Gewinne als mit Aktien zu erzielen sind. Entsprechend hoch sind Chance und Risiko. Und wegen der hohen Risiken muss ein Trader präventiv dafür sorgen, dass ein einzelner misslungener Trade niemals aus dem Ruder laufen und das komplette Depot gegen die Wand fahren darf.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bedarf es laufender Überwachung der offenen Positionen und eines Regelwerks, das alle wesentlichen Fälle abdeckt und strikt angewandt wird. Die eigene Psyche muss stabil genug sein, um auch in heißen Phasen einen kühlen zu bewahren und Disziplin so hoch, das Regelwerk auch dann anzuwenden, wenn es die Realisierung empfindlicher Verluste bedeutet.

Sie ahnen, dass Trader eher ein Beruf ist und nichts für nach dem Feierabend mal nebenbei.

Der Spekulant

Unter Privatanlegern weit verbreitet und in diesem Fall als Synonym für „planlos“ zu verstehen. Ein gutes Beispiel hierfür war der Börsengang der Deutschen Telekom, wo für einen kurzen Zeit die Börsenkultur in Deutschland aufzublühen schien. Tatsächlich ließ sich das halbe Volk von einem Schauspieler eine Aktie aufschwatzen ohne sich tatsächlich mit der Aktie als langfristige Anlageform zu beschäftigen. Entsprechend groß die Enttäuschung als die oft einzige Aktie im Depot abtauchte und sich die hohen Erwartungen an schnell und leicht verdientes Geld in Luft auflösten.

Wie damals lässt sich auch der heute Privatanleger als Spekulant von äußeren Eingebungen leiten. Anstelle eines Schauspielers sind es nun häufig Posts auf Facebook und anderen Medien, die meist über das Internet konsumiert werden.

Der Investor

Der Investor denkt langfristig. Anstelle des schnellen Geldes geht es ihm um den kontrollierten Vermögensaufbau. Entsprechend wird bei der Aktienauswahl Wert auf Aktien gelegt, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit im Zeitverlauf eine Wertsteigerung erfahren. Während Trader und Spekulanten auf den Kursgewinn fixiert sind, spielt beim Investor die Dividende oft eine bedeutende Rolle, da sich bei langer Haltedauer die Gesamtrendite einer Aktie aus Dividenden und Kursgewinnen zusammensetzt und die Dividenden einer soliden Aktie eine planbare Größe sind – auf einen festen Zeitraum bezogen jedenfalls deutlich besser planbar als Kursgewinne.

In diesem kleinen Buch geht um das Investieren in Aktien. Investieren bedeutet nicht Reichtum über Nacht, sondern langfristigen Vermögensaufbau durch diszipliniertes Anlegen über Jahre hinweg. Deshalb ist dieses Buch nicht für jeden geeignet.

Wenn Sie also Trader oder Spekulant sind und bleiben wollen, kann ich an dieser Stelle nichts weiter für Sie tun als Ihnen viel Glück zu wünschen. Im Weiteren Text gehe ich davon aus, dass es ihr Ziel ist, als erfolgreicher Investor an der Börse zu agieren.

Das Video: Wer sind Sie: Trader, Investor oder Spekulant?

Erfolgreich an der Börse investieren

Video: Wer sind Sie: Trader, Investor oder Spekulant?

Zähmen Sie den Spekulanten in Ihnen

Doch selbst wenn Sie sich entschieden haben, ein erfolgreicher Investor zu sein. Im Inneren schlägt in jedem von uns das Herz eines Spekulanten. Schneller Reichtum an sich ist ja nicht verwerflich – abgesehen von der Tatsache, dass es im Regelfall nicht funktioniert. Aber tief in unserem Inneren träumt man doch gerne vom Lottogewinn. Sei es an der Börse oder anderswo.

Was passiert, wenn der Spekulant erwacht

Deshalb ist es wichtig, sich den kleinen Spekulanten in uns Bewusst zu machen und wenn notwendig zu maßregeln, damit er nicht die Kontrolle über unser Investorenleben übernimmt. Es gibt an der Börse nämlich gewisse Fallkonstellationen, die den Spekulanten in uns wecken. Eine davon ist, wenn wir gut gelaufenen Aktien von der Seitenlinie beim Steigen zusehen.

Sie fragen sich dann unwillkürlich, ob der Zug bereits abgefahren ist oder Sie noch aufspringen sollen. Vielleicht verspüren Sie einen leichten Leidensdruck, wenn Sie als passiver Beobachter den entgangenen Gewinnen hinterher trauern. Und irgendwann ist es genug. Dann schlägt die Stunden des Spekulanten. Sie schlagen zu. Kaufen. Meist spontan, was oft dazu führt, dass Sie ohne weiteres Nachdenken zu Höchstkursen kaufen.

Dafür sind die Aktien nun endlich im eigenen Depot und ist die Erwartungshaltung hoch. Die Kursrally muss weiter gehen! Der Spekulant in Ihnen hat die Aktien nicht als langfristige Beteiligung an einem Unternehmen gekauft, sondern er endlich ein Stück vom Kuchen in Form schneller Kursgewinne abhaben wollte. Sein und ihr Wohl und Wehe hängt nun vom täglichen Auf und Ab der Börse ab, wobei der Gradmesser des Wohlempfindens die Differenz zwischen Kauf- und aktuellem Börsenkurs ist.

Brechen die Kurse ein, ist der Jammer groß. Dabei spielt es in ihrer Wahrnehmung nur eine untergeordnete Rolle, ob die Kurse im Zuge einer allgemeinen Marktschwäche einbrechen oder ob das Unternehmen enttäuscht. Was zählt, ist die rote Zahl in ihrem Depot. Nun rächt sich, dass ihr Aktienkauf von der Gier des Spekulanten anstelle der langfristigen Aussichten des Unternehmens getrieben war.

Weiter fallen die Kurse. Und da ihre Kaufmotivation auf der Annahme steigender Kurse beruhte, gibt es nun eigentlich keinen Grund mehr, an der Aktie länger festzuhalten. Gewiss, Sie reden sich ein, dass die Börse vielleicht noch dreht, wissen im Hinterkopf sogar, dass man Verluste aussitzen kann. Doch da Sie nicht wirklich an ihre Aktie im Sinne einer Unternehmensbeteiligung glauben, ist ihre physische Belastungsgrenze schwach.

Weiter fallen die Kurse, und schließlich schmeißen Sie die Aktien auf den Markt. Selbstredend, wenn die Kurse am Boden sind.

Als Investor die Kurse im Griff

Damit Sie dem täglichen Auf und Ab der Börse nicht länger ausgeliefert sind, ist es hilfreich der persönlichen G&V als Gradmesser ihres Erfolgs abzuschwören und sich auf das Fundamentale des Unternehmens konzentrieren. Sie leben an der Börse dann nicht länger von Tag zu Tag, sondern handeln auf der Grundlage von Jahrzehnten von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft hinaus.

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