Quartalszahlen sorgen für Kursbewegungen. Einige Aktien schießen durch die Decke und andere fallen ins scheinbar Bodenlose. Dann gilt es, die Gründe für die Kursreaktionen festzustellen und herauszufinden, ob die Reaktion des Marktes übertrieben ist und sich spannende Chancen auftun. Genau deshalb schauen wir uns die Kursausschläge interessanter Aktien an. Wir sagen dir, was passiert ist, ordnen die Zahlen ein und bestimmen mit Hilfe des fairen Werts transparent und im Aktienfinder nachvollziehbar das fundamentale Renditepotential einer jeden Aktie.
In dieser Ausgabe haben wir für dich sechs Aktien mit Earnings in dieser Woche analysiert. Eine davon kennst du womöglich schon von uns, denn Palo Alto Networks liegt in Davids Depot, und er hat die Aktie nach seinem Kauf in diesem Artikel vorgestellt. Nach dem Kursrutsch klären wir, ob die Aktie trotz starker Zahlen zu teuer war und, falls ja, ob die Aktie Stand heute wieder kaufenswert ist.
Aktien mit einer Marktkapitalisierung von über einer Milliarde Euro inklusive Anzeige der Kursreaktion als farbiger Balken auf der rechten Seite. Alle Earnings findest du im kostenlosen Earnings-Kalender.
Die Berichtssaison zum zweiten Quartal ist laut FactSet die stärkste seit fünf Jahren, 86 Prozent der Unternehmen im S&P 500 übertrafen die Gewinnerwartungen und die Gewinne stiegen im Jahresvergleich um sagenhafte 52 Prozent. Belohnt wurde das kaum, denn Aktien mit positiver Überraschung legten im Schnitt nur 0,6 Prozent zu, weniger als im Fünfjahresschnitt. Der Markt erwartet inzwischen nicht mehr gute Zahlen, sondern eine Wachstumsbeschleunigung. MongoDB übertraf die Erwartungen und verlor 14,6 Prozent, weil das Kerngeschäft Atlas zum fünften Mal in Folge um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg, aber nicht noch mehr. Palo Alto Networks gab 9,2 Prozent ab, obwohl die Managementprognose über den Analystenschätzungen lag, weil sich der Kurs seit Jahresbeginn verdoppelt hatte. Broadcom verdreifachte den KI-Umsatz und verlor rund drei Prozent, weil die Quartalsprognose knapp unter den Erwartungen blieb. Snowflake lieferte dagegen die dritte Beschleunigung in Folge und sprang um 16,8 Prozent nach oben, Dell hob die Jahresprognose um 25 Milliarden USD an und gewann etwa 16 Prozent. Am anderen Ende steht Lululemon, das mit der zweiten Prognosesenkung binnen drei Monaten 18 Prozent verlor. Auch in der Statistik von FactSet findet sich dieses Bild wieder, dass Tech-Unternehmen ihre Prognosen erhöhen und Konsumgüterunternehmen ihre Prognosen reduzieren. Für das kommende Quartal stehen neun rückläufige gegen zwei steigende Gewinnprognosen aus dem Sektor des zyklischen Konsums, die Technologiebranche kommt hingegen auf 39 steigende gegen sechs rückläufige Prognosen.
Zahl der S&P-500-Unternehmen mit steigender (grün) und rückläufiger (rot) Gewinnprognose für das nächste Quartal nach Sektoren. Quelle: FactSet, Stand 28.08.2026.
Die analysierten Aktien auf einen Blick
Hier alle sechs analysierten Aktien dieser Ausgabe auf einen Blick inklusive Kursreaktion, dem ermittelten Renditepotential Stand heute sowie unserem Urteil, ob die jeweilige Aktie als langfristiges Investment zum aktuellen Kurs kaufenswert ist.
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Die Earning Highlights dieser Ausgabe, sortiert nach Kursreaktion seit Vorlage der Zahlen (Stand 4. September 2026, Kurse vom Freitagmorgen).
Lululemon – Amerika kauft weniger Leggings
Lululemon legte gestern am Donnerstagabend die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Der Umsatz fiel gegenüber dem Vorjahresquartal um vier Prozent auf 2,42 Milliarden USD und verfehlte die erwarteten 2,46 Milliarden USD. Die vergleichbaren Umsätze (Same-Store-Sales), also die Erlöse ohne Neueröffnungen, fielen gegenüber dem Vorjahresquartal sogar um neun Prozent, in der Region „Americas“ um 12 Prozent und beim wichtigsten Produkt Leggings um 20 Prozent. Der Gewinn pro Aktie lag mit 2,92 USD über den erwarteten 1,79 USD, enthält aber 0,86 USD aus einer Zollerstattung. Ohne den Einmaleffekt liegt der Gewinn pro Aktie bei 2,06 USD. Zudem senkte Lululemon die Jahresprognose zum zweiten Mal binnen drei Monaten, beim Umsatz von 11,00 bis 11,15 auf 10,35 bis 10,50 Milliarden USD und beim Gewinn pro Aktie von 10,95 bis 11,15 auf 9,48 bis 9,73 USD.
Die vergleichbaren Umsätze von Lululemon sind ins Minus gerutscht, und für die beiden kommenden Quartale erwarten Analysten einen noch drastischeren Rückgang.
Als Reaktion brach der Aktienkurs nachbörslich um 18,3 Prozent ein. Der Hauptgrund war der Ausblick auf das zweite Halbjahr, denn für das laufende Quartal stellt das Management einen Umsatzrückgang von zehn bis elf Prozent und nur noch 0,93 bis 0,98 USD Gewinn pro Aktie in Aussicht. Auch das China-Geschäft belastet, wo die vergleichbaren Umsätze währungsbereinigt um acht Prozent zurückgingen, nachdem eine Yoga-Veranstaltung auf der Chinesischen Mauer mit einer japanischen Trommel einen Proteststurm gegen Lululemon ausgelöst hatte. Die Prognosesenkung fällt zudem in einen Führungswechsel, denn die neue CEO Heidi O'Neill, zuvor bei Nike, tritt ihr Amt erst am Montag an. Zum Zeitpunkt dieser Analyse am Freitagmorgen notiert der Aktienkurs vorbörslich bei 99 USD.
Lululemon verkauft Sportbekleidung im Premiumsegment, von Yoga-Hosen bis zu Laufschuhen, und vertreibt sie fast ausschließlich selbst. Knapp die Hälfte des Umsatzes entsteht in den 825 eigenen Läden, rund 39 Prozent im eigenen Onlineshop, ein Großhandelsgeschäft wie bei Nike oder Adidas gibt es kaum. In dieser Nische der modischen Sportbekleidung, in den USA Athleisure genannt, nehmen jüngere Marken wie Alo Yoga und Vuori Lululemon deutlich Marktanteile ab.
Der Qualitätscheck zeigt den Bruch einer langen Erfolgsserie. Der Gewinn pro Aktie stieg in den vergangenen zehn Jahren um 20,2 Prozent pro Jahr und in den vergangenen fünf um 20 Prozent, die Gewinnstabilität liegt bei hohen 0,91 von maximal 1,00. Für das kommende Geschäftsjahr erwarten die Analysten einen Gewinnrückgang von 18,2 Prozent. Eine Dividende zahlt Lululemon nicht, die Schuldenquote ist mit 25 Prozent moderat.
Nach mehr als einem Jahrzehnt steigender Gewinne knickt die Gewinnkurve von Lululemon nun ab.
Bei der Bewertung stützen wir uns auf den bereinigten Gewinn und senken das faire KGV drastisch vom Fünfjahresschnitt von 29 auf acht. Das Wachstum ist vorerst vorbei, und eine Trendwende ist nicht in Sicht, weshalb die Aktie den früheren Aufschlag nicht mehr verdient. Gemessen daran ist die Aktie mit einem aktuellen KGV von 8,2 fair bewertet. Entwickelt sich der Gewinn wie erwartet, bleibt bis zum Geschäftsjahresende im Januar 2029 ein Verlust von rund 3,2 Prozent, beziehungsweise 1,4 Prozent pro Jahr. Ein niedriges KGV allein macht die Aktie also nicht günstig, solange der Gewinn pro Aktie weiter fällt. Erst wenn die vergleichbaren Umsätze wieder wachsen, lohnt ein neuer Blick. Unsere Einschätzung: Verkaufen.
Beim auf acht gesenkten fairen KGV droht bis Januar 2029 ein Verlust von 1,4 Prozent pro Jahr.
Dell Technologies – Das KI-Server-Geschäft boomt
Dell legte am Dienstag nach US-Börsenschluss die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 58 Prozent auf den Rekord von exakt 47 Milliarden USD und übertraf die erwarteten 44,9 Milliarden USD. Der bereinigte Gewinn pro Aktie verdreifachte sich auf 7,04 USD und übertraf die erwarteten 4,92 USD um 43 Prozent. Grund ist die Marge, denn die bereinigte Bruttomarge stieg dank Skaleneffekten, mehr Speichersystemen im Mix und dem Verzicht auf Preisnachlässe gegenüber dem Vorjahresquartal von 18,7 auf 21,1 Prozent, obwohl der Anteil der margenschwächeren KI-Server zunahm. Mit KI-Servern setzte Dell 16,4 Milliarden USD um, doppelt so viel wie im Vorjahr. Das Management hob die Jahresprognose an, beim Umsatz von 167 auf 192 Milliarden USD, beim bereinigten Gewinn pro Aktie von 17,90 auf 25,50 USD und beim Umsatz mit KI-Servern von 60 auf 74 Milliarden USD.
Als Reaktion sprang der Aktienkurs kräftig um 15,8 Prozent nach oben. Der Hauptgrund war der hohe Auftragseingang, denn im Quartal bestellten Kunden KI-Server für 60,9 Milliarden USD, und der Auftragsbestand stieg auf insgesamt 95 Milliarden USD, was mehr als ein Jahr Auslieferungen abdeckt. Honoriert wurde von Investoren außerdem die Margenentwicklung, die die Sorge entkräftet, dass teure Hardware die Profitabilität verwässere. Zum Zeitpunkt dieser Analyse am Freitagmorgen notiert der Aktienkurs bei 517 USD und liegt damit noch einmal fünf Prozent über dem Schlusskurs des Reaktionstages.
Dell verkauft IT-Infrastruktur im Direktvertrieb und teilt das Geschäft in zwei Segmente. Das Segment Infrastructure Solutions Group mit gut zwei Dritteln des Umsatzes baut Server, Speichersysteme und Netzwerktechnik, darunter die KI-Server für Cloudanbieter, Staaten und Unternehmen. Das Segment Client Solutions Group mit knapp einem Drittel liefert Notebooks und Desktoprechner.
Der Qualitätscheck fällt durchwachsen aus. Die Gewinnstabilität liegt bei nur 0,59 von maximal 1,00, die Cashflow-Stabilität bei 0,61, weil das Hardwaregeschäft jahrelang schwankte. Der Gewinn pro Aktie stieg in den vergangenen fünf Jahren um 29,2 Prozent pro Jahr, für das kommende Geschäftsjahr werden 162,7 Prozent erwartet. Die Dividende von 2,00 Euro pro Aktie bringt 0,5 Prozent Rendite, ist mit 13,4 Prozent des Gewinns sowie 18,5 Prozent des freien Cashflows gedeckt und wurde zuletzt um 20 Prozent angehoben.
Dells Gewinne schwankten lange, mit dem KI-Geschäft springt die Kurve nun auf ein neues Niveau.
Bei der Bewertung stützen wir uns auf den bereinigten Gewinn und setzen ein faires KGV von 20 an. Im Zehnjahresschnitt wurde Dell nur mit dem 7,5-Fachen des Gewinns bewertet, doch mit dem KI-Boom ist die Nachfrage nach Servern in eine andere Größenordnung gesprungen, weshalb wir deutlich über die Historie gehen. Das aktuelle KGV von 50,3 fällt allein durch das erwartete Gewinnwachstum im kommenden Geschäftsjahr auf rund 20 und auf Basis des für 2029 erwarteten Gewinns auf 14. Wächst der Gewinn wie erwartet, winken bis zum Geschäftsjahresende im Januar 2029 rund 41,1 Prozent Rendite, beziehungsweise 15,9 Prozent pro Jahr inklusive Dividenden. Wer heute einsteigt, kommt bis dahin auf eine persönliche Dividendenrendite von 0,6 Prozent. Die schwankende Gewinnhistorie mit einer Stabilität von 0,59 mahnt zur Vorsicht, der Auftragsbestand von 95 Milliarden USD gibt dem Wachstum aber Sicht auf mehr als ein Jahr. Unsere Einschätzung: Kaufen.
Beim auf 20 gesetzten fairen KGV winken bis Januar 2029 rund 15,9 Prozent Rendite pro Jahr inklusive Dividenden.
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David Sauceda ist Chefredakteur des Aktienfinder Premium-Börsenbriefs. Mit knapp 10 Jahren Erfahrung in leitenden Positionen bei Procter & Gamble und Coty verfügt er über tiefgehende Expertise in der Konsumgüterbranche. Beim Stockpicking legt er besonderen Wert auf langfristig steigende Gewinne und solide Geschäftsmodelle. Er ist überzeugt, dass Unternehmen mit nachhaltigem Gewinnwachstum langfristig die besten Renditen erzielen.
David Sauceda ist Chefredakteur des Aktienfinder Premium-Börsenbriefs. Mit knapp 10 Jahren Erfahrung in leitenden Positionen bei Procter & Gamble und Coty verfügt er über tiefgehende Expertise in der Konsumgüterbranche. Beim Stockpicking legt er besonderen Wert auf langfristig steigende Gewinne und solide Geschäftsmodelle. Er ist überzeugt, dass Unternehmen mit nachhaltigem Gewinnwachstum langfristig die besten Renditen erzielen.
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