Die Berichtssaison sorgt regelmäßig für Überraschungen und Kurskapriolen. In diesem Format konzentrieren wir uns deshalb auf die Kursausschläge interessanter Aktien im Anschluss an die Earnings. Wir sagen, was passiert ist, interpretieren die Zahlen und bestimmen mit Hilfe des fairen Werts transparent und im Aktienfinder nachvollziehbar das Renditepotential der Aktien. Diesmal haben wir uns neun Unternehmen herausgesucht, die in dieser Woche (KW 31) neue Zahlen berichtet haben.
Diese Large Caps mit einer Marktkapitalisierung von über 50 Milliarden Euro berichteten in KW 31 neue Zahlen. Die farbigen Balken auf der rechten Seite geben Auskunft über die Kursreaktion. Die Earnings aller Aktien jeder Größe findest du im kostenlosen Earnings-Kalender.
In dieser Woche ging es an der Börse um die Antwort auf die Frage, ob der sogenannte KI-Trade Bestand hat oder ob der große Ausverkauf von KI-Aktien erst begonnen hat. Bis Mittwoch sah es nach Letzterem aus, denn ein chinesischer Durchbruch bei Belichtungsmaschinen, das fulminante Börsendebüt des Speicherherstellers CXMT und allgemeine Zweifel über die Profitabilität der gigantischen Investitionen der Hyperscaler ließen den Philadelphia Semiconductor Index binnen drei Handelstagen um mehr als elf Prozent einbrechen. Unter die Räder geriet dabei auch der Hedgefonds Situational Awareness von Leopold Aschenbrenner, der im ersten Halbjahr netto 439 Prozent verdient hatte und sein gesamtes börsennotiertes Portfolio an Citadel abgeben musste, nachdem die gehebelten Wetten auf Speicher, Rechenzentren und Stromversorger ins Minus drehten. Das Fondsvermögen halbierte sich laut Bloomberg auf rund zehn Milliarden USD. Für Anleger ist das eine Warnung davor, in einem derart volatilen Markt zu stark zu hebeln.
Die analysierten Aktien auf einen Blick
Hier alle neun analysierten Aktien dieser Ausgabe auf einen Blick inklusive Kursreaktion, dem ermittelten Renditepotential Stand heute sowie unserem Urteil, ob die jeweilige Aktie als langfristiges Investment kaufenswert ist.
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Die Earning Highlights dieser Ausgabe, sortiert nach Kursreaktion seit Vorlage der Zahlen (Stand 31. Juli 2026, nachbörsliche US-Kurse vom 30. Juli).
Microsoft – Der große Kurssprung
Microsoft berichtete am Mittwoch nach US-Börsenschluss die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal und lieferte die Überraschung der Woche. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 18 Prozent auf 90,0 Milliarden USD statt der prognostizierten 87,5 Milliarden USD, der bereinigte Gewinn je Aktie kam auf 4,74 statt der erwarteten 4,21 USD. Darin steckt ein Bewertungsgewinn von 3,2 Milliarden USD auf die Anthropic-Beteiligung, denn Microsoft rechnet als einzigen Sonderposten die Beteiligung an OpenAI heraus. Zusammen mit niedriger als geplanten Kosten des Vorruhestandsprogramms und gegenläufigen Abschreibungen im Xbox-Geschäft lag das Ergebnis dadurch um 0,27 USD über der eigenen Prognose vom April.
Als Reaktion schoss der Aktienkurs um 15,5 Prozent nach oben, den größten Tagesgewinn der Firmengeschichte, dessen Sog bis nach Seoul reichte, wo SK Hynix am Freitag ins Tageslimit lief. Der Hauptgrund war die Cloudsparte, denn „Azure“ wuchs um 43 Prozent statt der eigenen Prognose von 39 bis 40 Prozent, überschritt im Geschäftsjahr erstmals 100 Milliarden USD Umsatz, und der Auftragsbestand kletterte um 84 Prozent auf 678 Milliarden USD. Für das laufende Quartal stellt Finanzchefin Amy Hood sogar rund 45 Prozent Azure-Wachstum in Aussicht. Zunächst positiv liest sich zudem die auf 175 statt 190 Milliarden USD gesenkte Investitionsplanung für das Kalenderjahr 2026. Allerdings ist die Senkung technischer Natur, tatsächlich wird nicht weniger Geld investiert. Microsoft hat die angenommene Nutzungsdauer seiner eigenen Rechenzentren und Bürogebäude von 15 auf 25 Jahre verlängert. Weil sich an dieser Annahme auch die unterstellte Lebensdauer angemieteter Rechenzentren bemisst, gelten viele künftige Mietverträge nun als gewöhnliche Miete, deren Kosten nicht länger als Investition zählen. Die noch nicht begonnenen Mietverträge für fremde Rechenzentren sind im Gegenzug auf 329 Milliarden USD gesprungen. Zum Zeitpunkt dieser Analyse am Freitagmorgen notiert der Aktienkurs 13,0 Prozent über dem Niveau vor den Zahlen.
Microsoft vermietet Software und Rechenleistung im Abonnement. Rund 59,3 der 90 Milliarden USD Quartalsumsatz entfallen auf das Cloudgeschäft, das gegenüber dem Vorjahresquartal um 27 Prozent zulegte, und die Kunden binden sich über mehrjährige Verträge, die im Auftragsbestand sichtbar werden, lange bevor sie als Umsatz auftauchen. Der KI-Assistent Copilot kommt inzwischen auf über 30 Millionen bezahlte Arbeitsplätze nach gut 20 Millionen im April.
Der Qualitätscheck ist makellos. Der Gewinn je Aktie legte auf Zehnjahressicht um 18,8 Prozent pro Jahr zu, die Gewinnstabilität liegt bei hohen 0,90, und die Dividende steigt seit 22 Jahren bei einer Ausschüttungsquote von lediglich 20,6 Prozent auf den Gewinn. Anders als bei Meta, wo die Investitionen den freien CashFlow gerade aufzehren, bewegt sich dieser bei Microsoft nach wie vor im positiven Bereich.
Der Gewinn je Aktie von Microsoft steigt seit über zwei Jahrzehnten konstant.
Bei der Bewertung stützen wir uns auf den bereinigten Gewinn und belassen das faire KGV auf dem Zehnjahresschnitt von 25,1. Mit einem aktuellen KGV von 25,7 ist die Aktie trotz des Kurssprungs nahezu fair bewertet. Wächst der Gewinn wie erwartet, winken bis zum Geschäftsjahresende im Juni 2029 rund 60 Prozent Rendite, beziehungsweise 17,5 Prozent pro Jahr inklusive Dividenden. Bei dieser Qualität und einem Auftragsbestand von 678 Milliarden USD ist das die überzeugendste Aktie dieser Ausgabe. Unsere Einschätzung: Kaufen.
Beim fairen KGV von 25,1 winken bis Juni 2029 rund 60 Prozent Rendite.
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Die analysierten Aktien auf einen Blick
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Torsten Tiedt ist der Gründer vom Aktienfinder, der Plattform für langfristige Investments in Aktien. In seinen Artikeln geht es um Grundlagen, aktuelle Entwicklungen und Aktienanalysen, die auf interessante Art zeigen sollen, worauf es vor dem Aktienkauf zu achten gilt. Das Ganze gibt es auch in bewegten Bildern auf dem Aktienfinder YT-Kanal.
Torsten Tiedt ist der Gründer vom Aktienfinder, der Plattform für langfristige Investments in Aktien. In seinen Artikeln geht es um Grundlagen, aktuelle Entwicklungen und Aktienanalysen, die auf interessante Art zeigen sollen, worauf es vor dem Aktienkauf zu achten gilt. Das Ganze gibt es auch in bewegten Bildern auf dem Aktienfinder YT-Kanal.
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