Warum Aktionäre Geld verlieren

Wenn man sich die Kursentwicklung über die Jahre hinweg anschaut, erkennt man unschwer, dass die Aktienkurse langfristig steigen. Dennoch verlieren viele langfristig orientierte Anleger Geld. Wie ist das möglich?

Der Aktienmarkt

Entwicklung des marktbreiten SnP 500 von 1971 bis heute (logarithmische Darstellung). Quelle: TradingView.com

Hierfür gibt es mehrere Gründe. Über mangelndes Grundverständnis bzgl. Aktien, psychologische Fallstricke verbunden mit Gier und Angst oder einer falschen oder gar keiner Anlagestrategie wird dankenswerterweise häufig berichtet. Deutlich seltener hingegen darüber, dass schlicht und einfach in die falschen Aktien investiert wird. Dabei warntet schon Benjamin Graham, der Vater des Value Investing:

„Observation over many years has taught us that the chief losses to investors come from the purchase of low-quality securities …”

Investoren sollen also hauptsächlich deshalb Geld verlieren, weil Sie sich für qualitativ schlechte Unternehmen entscheiden. Doch was zeichnet qualitativ schlechte Unternehmen aus? Und noch wichtiger: wie erkennt man die qualitativ guten Unternehmen?

Was gute von „schlechten“ Unternehmen unterscheidet

Qualitätsunternehmen unterscheiden sich von schlechten Unternehmen durch die Gewinnentwicklung. Ein gutes Unternehmen steigert den Gewinn langfristig und möglichst konstant. Ein Unternehmen, das seit Jahrzehnten die Gewinne steigert, wird dies wahrscheinlich auch im nächsten Jahr schaffen. Zumindest ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher als bei einem Unternehmen, dessen Gewinnentwicklung einer Berg- und Talfahrt gleicht.

Denn jahrelang steigende Gewinne sind kein Zufall. Vielmehr sind sie das finanzielle Resultat eines funktionierenden Geschäftsmodells mit allem, was dazu gehört, wie reibungslosen Geschäftsprozessen, fähigem Management, Marken, Marktmacht und so weiter. Hier handelt es sich um strukturelle Merkmale eines Unternehmens, die nicht von einem Geschäftsjahr auf das nächste verschwinden. Steigert ein Unternehmen langfristig den Gewinn, so steigen langfristig auch die Aktienkurse und bei ausschüttenden Unternehmen die Dividenden. Dieser Zusammenhang kann durch kurz- bis mittelfristige Launen des Marktes verdeckt werden, doch langfristig werden die Kurse steigen.

Leider ist es für den Privatinvestor nicht trivial, Unternehmen mit langfristige steigenden Gewinnen zu finden. Der Grund: viele der von der Masse angewandten Kennzahlen und Methoden führen in die Irre. Ich zeige Ihnen dies anhand eines kurzen Beispiels unter Verwendung von Dividendenrendite und KGV als Kriterium für die Aktienauswahl.

Warum viele Anleger Aktien „schlechter“ Unternehmen bevorzugen

Sie sehen die langfristige Gewinnentwicklung von zwei Unternehmen.

Unternehmen A weist konstant steigende Gewinne und Dividenden auf. Hier wäre man vermutlich gerne Aktionär.

Unternehmen B. Langfristig stagnierende Gewinne machen es immer schwerer, die Dividende minimal zu erhöhen

Unternehmen A hat von 1998 bis 2016 den Gewinn relativ konstant von 1,49 $ auf über 8,00 $ gesteigert. Unternehmen B kommt mit einigem Auf und Ab für den selben Zeitraum nicht über eine Seitwärtsbewegung hinaus. 1998 lag der Gewinn bei 2,24 $ und 2016 bei 2,1 $.

Von welchem der beiden Unternehmen wären Sie lieber Aktionär? Ich vermute, Sie wählen Unternehmen A. Auch ich würde mich so entscheiden. In der Praxis jedoch entscheiden sich viele Aktionäre für Unternehmen B.

Warum? Weil die Aktie von Unternehmen B entsprechend des KGVs „billig“ erscheint und zudem mit einer deutlich höheren Dividendenrendite glänzt. Machen Sie sich bewusst, dass ein niedriges KGV als Misstrauensvotum des Marktes bezüglich der Entwicklungsperspektive eines Unternehmens zu verstehen ist und die hohe Dividendenrendite der Preis, den ein solches Unternehmen seinen Aktionären bezahlt.

Die Fehlentscheidung zugunsten Unternehmen B wird langfristig auf Kosten ihrer Depotperformance gehen.

Hinter Unternehmen A verbirgt sich 3M, hinter Unternehmen B verbirgt sich AT&T. 3M hat zum Zeitpunkt des Schreibens ein KGV von knapp 26, AT&T von knapp 16. 3M hat eine aktuelle Dividendenrendite von nur 2%, AT&T von fast 6%. Diese Kennzahlen, einfach angewendet, sprechen also für AT&T.

Aber: Mit 3M wurden in den letzten 17 Jahren Kursgewinne in Höhe von rund 300% erzielt:

Schlechten Börsenjahren zum Trotz spiegelt der Aktienkurs langfristig die Gewinnentwicklung wieder

Mit AT&T hingegen hat man über 17 Jahre über 30 Prozent Kursverlust erlitten:

Rendite AT&T

Nur Dank der hohen Dividenden konnte nach über 15 Jahren Haltedauer ein Verlust vermieden werden

Steigende Dividenden und Kurse sind kein Zufallsprodukt, sondern spiegeln die langfristige Gewinnentwicklung wieder.

 

Weitere Lektüre

Sie haben beispielhaft gesehen, wie KGV und die Dividendenrendite Anleger auf das Glatteis führen, indem die Aktie des Unternehmens mit der schlechteren Gewinnentwicklung attraktiver scheint. Als nächstes lade ich Sie ein, entweder im kleinen Leitfaden zum nächsten Kapital überzugehen oder mehr über die Gefahren der üblichen Kennzahlen zu erfahren.

3M Korrelation

Kleiner Leitfaden 2ter Teil

Wie Sie Aktien mit steigenden Kursen und Dividenden finden.

Wie Kennzahlen uns indie Irre führen

Wie Kennzahlen uns in die Irre führen

Eine Beschreibung der Tücken und Fehlsignale unserer gebräuchlichen Kennzahlen inklusive Lösungsansatz.

How Metrics Make Investors Pay

How Metrics Make Investors Pay Part I

Externer Artikel auf Seeking Alpha, der sich ebenfalls mit den Tücken der gebräuchlichen Kennzahlen auseinander setzt.